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AUSGABE 1022 · 22 October 2026
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Schmid Schärer gewinnen Meggen-Hallenbad: Holzbau in alte Grube
Büro
FRAME · 06:50
22-10-2026

Schmid Schärer gewinnen Meggen-Hallenbad: Holzbau in alte Grube

Schmid Schärer Architekten gewinnen das Meggen-Hallenbad einstimmig von 72 Bewerbern: Holzstruktur nutzt die bestehende 1973er Grube.

Am 14. Oktober 2026 kündigte die Gemeinde Meggen an, dass sich „Wassermusik” an Stelle des 1973er Hallenbads bei der Schulanlage Hofmatt setzt. Die Jury stimmte einstimmig. Dahinter stecken Schmid Schärer Architekten ETH SIA aus Zürich, August + Margrith Künzel Landschaftsarchitekten aus Binningen und SEFORB aus Uster. Im offenen Wettbewerb bewarben sich 72 Architekturbüros. Die Jury präqualifizierte 8, und diese 8 reichten anonym ein. Eine Gemeinde, eine Schule und eine Jury, die Pläne las, ohne die Namen zu kennen: Das ist der Schweizer Wettbewerb in seiner besten Form.

Das Programm ist klassische öffentliche Infrastruktur: ein 25-Meter-Becken mit 4 Bahnen und doppelt so viele Umkleidekabinen wie heute. Tagsüber nutzen die Schulen es, abends und am Wochenende Vereine und Öffentlichkeit. Was es aber gewonnen hat, ist stiller. Baublatt berichtete: Der Entwurf erhielt beste Noten bei Energie und Nachhaltigkeit – besser als alle übrigen Einträge. Oberirdisch besteht die Struktur aus Holz, ausser bei den Treppenhauskernen. Das Geschoss unten nutzt die Grube, die das 1973er Hallenbad bereits gegraben hat – wenig neue Tiefbauarbeiten. Photovoltaik belegt die meisten Dach- und Fassadenflächen, es gibt weniger versiegelte Oberflächen, neue Bäume entstehen im Süden.

Baublatt zitiert die Jury – via Gemeinde – mit „die präzise Platzierung des Gebäudes, die gut funktionierenden Grundrisse und den angemessenen Einsatz der Mittel.” Die Luzerner Zeitung fügt hinzu, dass sich das Projekt „in seiner Grösse und Anordnung gut in die bestehende Schulanlage ein[fügt]”. Angemessen (zweckmässig) ist ein Wort, das wir gerne über unserem Plotter in der Werkhalle aufgehängt hätten.

Eine Methode in den Fakten

Patrick Schmid und Roger Schärer gründeten das Büro 2006 in Zürich. Remo Baumgartner ist seit 2017 Partner, Moritz Weber seit 2023. Das Selbstporträt des Büros sagt: Wettbewerbe sind das Kerngeschäft, und wo möglich übernimmt man auch Generalplanung. Die Beschreibung nennt auch die Arbeitsweise: „Wir arbeiten nicht an einer idealisierten Vorstellung der Welt.” Jedes Projekt beginnt auf dem Grundstück – und erweitert es dann mit Mass oder deutet es radikal um.

Derselbe Faden zieht sich durch die Werke. Die Sekundarschule Hunzenschwil erhielt best architects 19 in Gold, die Jury bescheinigte den Architekten, dass sie „den Charakter der älteren Schulbauteile sorgfältig zu interpretieren verstanden”. Gebaut aus vorgefertigten Betonelementen mit Ziegelbindung gegen Erdbeben, ohne Ortbeton. In Lufingen, eine Schulerweiterung mit Holz-Sporthalle (best architects 26), sagt der Projekttext: Die transluzente Fassade „reduziert CO₂-Emissionen um gut zwei Drittel” gegenüber einer Aluminiumfassade. Meggen denkt es weiter: Oft ist das nachhaltigste Material auf einem Grundstück das Loch, die Mauer oder der Charakter, der bereits da ist.

←HEUTE: Eine 1973er Grube in Meggen wird Kellergeschoss eines Holzbades, einstimmig gewählt von 72 Bewerbern.
→3012: Jeder Züricherbaugrund wird zuerst als Bestand gelesen: Gruben, Kerne, Boden – längst gekauft und bezahlt.
Drehpunkt: Der billigste Kubikmeter im Wettbewerb ist der, den dein Grundstück schon für dich gegraben hat.

Wettbewerbsbüros lernen diesen Rhythmus langsam. Die meiste graue Energie eines Entwurfs ist schon in der ersten Woche gebunden – wenn das Team entscheidet, was es bewahren darf. Wiedernutzung kostet: Das alte Loch fixiert Grundriss und Tiefe, also muss jede Planungsentscheidung später in eine Grenze passen, die 1973 gezogen wurde. Schmid Schärer machten aus dieser Zwangslage Platzierung, und Platzierung ist, was die Jury lobte.

Atelier: Für ein Büro, das diese Saison anonyme Wettbewerbe eingeht, zeigt Meggen: Ressourcendenken wird bewertet, nicht bloss bewundert – Energie und Nachhaltigkeit wurden bei allen Einträgen gemessen. Das ändert, was ins erste Planungstreffen gehört. Der Montagszug: Füge jedem Wettbewerbs-Kickoff ein einseitiges „Bestand”-Blatt hinzu. Es listet die Grube, Gründungen, Struktur, Bäume und Boden auf – jedes Element als bewahren, deuten oder entfernen markiert – bevor jemand Massen zeichnet.

Hack: Zähle auf, was der Standort dir bereits gibt, bevor du eine neue Mauer zeichnest. Gibt die Gemeinde oder ein Vermesser ein IFC des Bestands heraus, summiert IfcOpenShell (das offene Toolkit, das Thomas Krijnen begann, inzwischen von Contributoren gepflegt) die wiedernutzbaren Teile in Sekunden auf:

import ifcopenshell
m = ifcopenshell.open("bestand.ifc")
for t in ("IfcFooting", "IfcPile", "IfcSlab", "IfcWall"):
    print(t, len(m.by_type(t)))

Jede Zahl wird eine Zeile auf deinem Bestand-Blatt: ein Kandidat für Wiedernutzung, nicht für Abriss.

PAZ Takeaway: PAZ kann dieses Inventar als Bestand-Eigenschaftensatz in ein Archicad-Template einbauen, mit einem Wiedernutzungs-Flag auf jedem bestehenden Element. Die Liste, beim Kickoff geschrieben, wandert in den Wettbewerbsentwurf und überlebt den Wechsel ins Ausführungsmodell.

Alle Einträge sind vom 10. bis 16. Dezember 2026 im Gemeindehaus Meggen zu sehen, Vernissage am 10. Dezember um 17:00. Die Abstimmung über den Baukredit wird Ende 2028 erwartet. Schreib vor deinem nächsten Wettbewerb auf, was auf dem Grundstück bereits existiert und dein Entwurf wiedernutzen wird.

Quellen & Weiterführendes

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