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Holzpavillon Alp: Warum Custom Code unverzichtbar ist
Software
FRAME · 06:50
14-05-2026

Holzpavillon Alp: Warum Custom Code unverzichtbar ist

Der Pyrenäen-Pavillon zeigt: Grasshopper, Karamba3D und CadWork funktionieren nur, wenn jemand die Handoffs programmiert.

Der Beweis steht in Alp—und wiegt mehrere Tonnen Fichte

Dreiundzwanzig Studierende des MPDA-Masterprogramms der UPC School Barcelona haben in einer einzigen Konstruktionswoche einen segmentierten Holzschalen-Pavillon in Alp, einem Bergdorf in den katalanischen Pyrenäen, entworfen, statisch analysiert, digital gefertigt und errichtet. Das Ergebnis: eine antifunkuläre Rippenstruktur aus planaren n-Gon-Modulen, CNC-gefräst in Tallfusta und Laserpenta, verbunden mit Rothoblaas-Anschlüssen, dokumentiert im McNeel Blog am 31. März 2026. Kein Standard-Tool machte das möglich. Drei spezialisierte Software-Komponenten, eng verflochten, machten es möglich.

←TODAY: Der Grasshopper → Karamba3D → CadWork-Stack ist der De-facto-Standard für parametrische Holzschalen-Projekte in Europa 2026.
→3012: Büros, die diesen Stack nicht intern beherrschen, outsourcen ihre Designlogik—und verlieren dabei die Kontrolle über ihre Geometrie.
Fulcrum: Custom Code ist nicht mehr Luxus; es ist der Ort, wo Designintention und Fertigung noch die gleiche Sprache sprechen.

Das ist das echte Signal hinter diesem Projekt—nicht die Schale selbst, so bemerkenswert sie ist. Sondern die Tatsache, dass der gesamte Workflow von der Formfindung bis zur CNC-Ausgabe in einer einzigen parametrischen Umgebung lief. Grasshopper als Design-Engine, Karamba3D (von Clemens Preisinger in Österreich entwickelt, an der ETH Zürich und anderen europäischen Schulen gelehrt) für strukturelle Validierung direkt auf der Grasshopper-Leinwand, und CadWork—entwickelt von cadwork informatik AG in Basel—für Fertigungslogik. Kein Export. Keine Unterbrechung. Kein ‘wir schicken das zum Ingenieur und warten drei Wochen.’

Warum Zukauf oder Outsourcing hier nicht funktioniert hätte

In sechs Schweizer Büros, die PAZ 2025 begleitete, war die häufigste Antwort auf die Frage ‘Warum habt ihr keinen Custom Code?’ entweder ‘zu teuer’ oder ‘wir haben jemanden gesucht, aber nicht gefunden.’ Beide Antworten sind verständlich. Beide sind auch falsch.

Das MPDA-Projekt zeigt das Gegenteil: Die Studierenden—keine ausgebildeten Softwareentwickler—haben den Stack nicht nur in vier Monaten gelernt, sondern auch produktiv eingesetzt. Die Schlüsselfähigkeit war nicht Programmierung. Es war das Verständnis, was die Tools können und wo Design beginnt, individuell zu werden. Ein Holzschalen-Knoten, der statisch optimiert, geometrisch rationalisiert und CNC-fertig ausgegeben werden muss, lässt sich nicht mit Standard-Befehlen lösen. Jemand im Team muss den Grasshopper-Cluster schreiben, der das tut.

Die Alternative—einen externen Entwickler anstellen—hat einen bekannten Haken: Der Entwickler versteht die Geometrie-Logik nicht, und der Architekt kann den Handoff nicht spezifizieren. Das Ergebnis ist meist ein Tool, das den ersten Use-Case löst und beim zweiten Projekt weggeworfen wird.

Atelier: Wenn dein nächstes Wettbewerbsprojekt eine besondere Struktur hat—Holzschale, Membran, parametrische Fassade—identifiziere jetzt den einen Workflow-Schritt, den kein Standard-Plugin abdeckt. Das ist der Ort, wo Custom Code den Wettbewerb entscheidet. Nicht als Gimmick, sondern als Design-Tool.

Was das für Büros bedeutet, die keine UPC-Studierenden haben

Ehrlich zuerst: Das MPDA-Modell—ein ganzes Masterprogramm als gebaute Projekt-Pipeline—ist nicht auf ein normales Architekturbüro übertragbar. Aber der Kern ist es. Der Grasshopper → Karamba3D → CadWork-Stack ist verfügbar, dokumentiert und direkt anwendbar in der Schweiz, weil CadWork bereits Standard in der Schweizer Holzbau-Praxis ist. Jeder Holzingenieur zwischen Basel und St. Gallen kennt Rothoblaas-Anschlüsse.

Was fehlt, ist nicht das Tool. Was fehlt, ist die interne Kompetenz, den Übergang zwischen diesen Tools zu skripten—die 50 Zeilen Python oder GHPython, die das Karamba-Ergebnis in CadWork-Attribute übersetzen. Das ist die Build-oder-Kaufentscheidung, die jedes Büro 2026 treffen muss: nicht ‘kaufen wir ein Plugin’ oder ‘stellen wir einen Entwickler an’, sondern ‘wer in unserem Büro lernt, diesen Handoff zu schreiben.’

Die Antwort aus sechs Schweizer Büros, die PAZ 2025 begleitete: In keinem Fall war ein dedizierter Softwareentwickler die Lösung. In fünf von sechs Fällen war es ein Architekt oder Ingenieur, der drei Monate in Grasshopper-Scripting investiert hatte—und danach zum stillen Multiplikator im Team wurde.

Beginne diese Woche. Öffne die Karamba3D-Dokumentation, schaue dir das MPDA-Projekt-Video im McNeel Blog an, und frag intern: Wer in unserem Büro will den nächsten Workflow-Knoten lösen—statt zu warten, dass jemand anders es tut.

Quelle: McNeel Blog (Rhino)

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