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Rhino trifft Archicad: Die Grenze nach 40 Jahren GDL
Software
FRAME · 06:55
09-05-2026

Rhino trifft Archicad: Die Grenze nach 40 Jahren GDL

Severi Virolainen zeigt im McNeel-Webinar, wann Grasshopper und wann Archicad das richtige Werkzeug ist – gestützt auf 40 Jahre GDL-Erfahrung.

Zwei Werkzeuge, eine ehrliche Frage: Was gehört wohin?

Am 1. April 2026, 16:00 CEST, stellte Severi Virolainen im Rhino User Webinar eine Frage, die in der AEC-Praxis selten offen gestellt wird: Welches Werkzeug ist wirklich für welches Problem besser? Nicht als Marketing-Pitch, sondern als operatives Entscheidungsmatrix für die tägliche Arbeit. Die Aufzeichnung ist seit dem 2. April kostenlos im McNeel Blog verfügbar – und verdient mehr Aufmerksamkeit als ein typischer Webinar-Ankündigungspost.

Virolainen ist CEO von Algoritmi Oy (der Firmenname ist einfach das finnische Wort für «algorithm»), hält einen Doktortitel der Aalto University in Helsinki und schreibt GDL – Archicads native Programmiersprache – seit 1987. Das ist kein rhetorisches Lebenslauf-Padding. Das heisst: Er erlebte Archicad in einer Ära, als Grasshopper noch nicht existierte, und kennt daher genau, wo die Plattform atmet und wo sie kämpft.

←HEUTE: Die Grasshopper–Archicad Live Connection existiert, wird aber in vielen Büros entweder nicht eingesetzt oder wie eine Black Box behandelt.
→3012: Die Entscheidung, ob Geometrie im parametrischen oder im BIM-nativen Raum entsteht, ist keine Werkzeug-Frage mehr – sie ist eine Datenstrategie.
Fulcrum: 2026 ist der Moment, in dem diese Entscheidung noch bewusst getroffen werden kann, bevor Automatisierung sie lautlos übernimmt.

Das System dahinter

Die Brücke zwischen Rhino/Grasshopper und Archicad ist das offizielle Grasshopper–Archicad Live Connection Add-on von Graphisoft – ein Plugin, das den Echtzeit-Datenaustausch zwischen Grasshopper-Definitionen und Archicad-Elementen ermöglicht. Graphisoft (Budapest) hat diesen Kanal in den letzten Jahren erweitert, ohne gross Aufhebens zu machen. Das Resultat: Viele Büros wissen, dass die Verbindung existiert, aber nicht, wie sie sie produktiv nutzen – oder wann sie nicht richtig ist.

Virolainen hat Grasshopper seit 2016 aktiv in seine Praxis integriert – das heisst, er erlebte die reife Phase des Werkzeugs, nicht den Hype. Nach dem McNeel Blog priorisierten beide Quellen (Ankündigung vom 24. März und Recording-Post vom 2. April) dieselbe Kernbotschaft: Das Webinar vermittelt nicht nur Workflows, sondern ein Verständnis für die Grenzen jeder Plattform. Das ist seltenes Material.

Was das am Tisch bedeutet

Die konkrete Praxis-Frage lautet: Wann bleibt Geometrie in Grasshopper, und wann muss sie in Archicad werden? Grob gesagt:

  • Grasshopper/Rhino: Freiformgeometrie, Optimierungsschleifen, komplexe Verkleidungen, generative Varianten – überall dort, wo das Modell noch sucht.
  • Archicad: Dokumentation, Element-Klassifizierung, IFC-Export, Kollaborationsmodell, Bauphasen – überall dort, wo das Modell kommuniziert.

Der Irrtum in vielen Büros: dass man nahtlos vollständige BIM-Elemente aus Grasshopper generieren kann. Das geht – aber die Element-Intelligenz (Schichtenaufbau, Klassifizierung, Pset-Daten) entsteht nicht automatisch. Wenn Sie den Live Connection-Workflow nicht sauber modellieren, produzieren Sie Geometrie in Archicad, keine BIM-Objekte. Das ist der Unterschied zwischen einem hübschen Modell und einem dokumentationsreifen Modell.

Atelier: In PAZ-Kursen zu BIM-Datenpipelines empfehlen wir, die Entscheidungsgrenze zu definieren – was live verbunden wird, was als statisches IFC importiert wird – bereits in der BEP, nicht beim ersten Modell-Merge. Virolainens Webinar bietet dafür eine praktische Sprache: «Was ist ein Grasshopper-Problem, was ist ein Archicad-Problem?»

Für einen tieferen Einstieg: An der PAZ Academy personalisiert unsere Grasshopper↔Archicad Library den Workflow zwischen Grasshopper und Archicad und schliesst die fehlenden Teile der heutigen Verbindung. Sie und die Grasshopper Live Connection lösen nicht dieselbe Aufgabe: die Library trägt den persistenten Workflow zwischen den Tools; die Live Connection ist für iteratives Entwerfen. Beides zu kennen ist 2026 kein Luxus mehr.

Die Aufzeichnung ist kostenlos. Virolainen ist jemand, dem Sie 90 Minuten Ihrer Arbeitszeit geben – nicht weil er seit 1987 GDL schreibt, sondern weil er tatsächlich auf beiden Seiten der Grenze gelebt hat. McNeel Europe positionierte dieses Webinar in seiner laufenden Serie, die allein im März 2026 Pragmatic Parametrics, Enscape-Integration und Timber Shell Structures abdeckte. Die Serie ist ein unterschätztes Fortbildungsformat für DACH-Büros.

Laden Sie die Aufzeichnung herunter, springen Sie zu Minute 20 (wo die Grenzen-Diskussion typischerweise beginnt), und bringen Sie die Frage «Wann bleibt es in Grasshopper?» zu Ihrem nächsten BIM-Koordinationstreffen mit. Die Antwort ist projektspezifisch – aber die Frage sollte Standard sein.

Quelle: McNeel Blog (Rhino)

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