Räume zuerst: soppelsa architekten gewinnen Oberstufenzentrum Schwarzenburg mit «Merel»
Das Zürcher Büro soppelsa architekten gewinnt Schwarzenburgs Oberstufenzentrum mit «Merel»: 40 Bewerbungen, einstimmige Jury, rund CHF 20 Millionen, Bezug 2031.
1984 veröffentlichten Bill Hillier und Julienne Hanson am Bartlett, University College London, The Social Logic of Space. Ihre These: Ein Gebäude ist zuerst ein Relationsmuster von Räumen, dann erst eine Form. Jede Architektin, die einen Schulflur um 10 Uhr erlebt hat, weiss das. So liest man auch die Schweizer Schulnachrichten dieser Woche.
In der Aula des Oberstufenzentrums Schwarzenburg hängen zehn anonyme Schulentwürfe an den Wänden bis 28. Oktober (Mo–Fr 18:00–20:00, Sa/So 09:00–12:00). Einer davon, «Merel», hat gewonnen. Nach Angaben der Gemeinde Schwarzenburg empfahl die Jury aus kommunalen, schulischen und Fachvertreterinnen das Projekt einstimmig zur Weiterentwicklung. Die Verfasser sind soppelsa architekten GmbH, Zürich, zusammen mit den Landschaftsarchitekten Chaves Biedermann von Basel — deren Aussenräume auch die Gemeinderäte rühmen. Die Ausschreibung zog 40 Bewerbungen an, zehn Teams wurden in die engere Auswahl genommen, zwei davon Nachwuchsteams. Planteam S AG aus Bern und Luzern führte das Verfahren durch, die Jury traf sich im August 2026.
Die Gemeinde beurteilte die Schule danach, wie sie genutzt werden wird. Die Gemeinderäte Anja Pflugshaupt und Barbara Mischler: «Merel verbindet eine klare Gebäudestruktur mit gut nutzbaren Lern- und Aussenräumen.» Rektor Simon Grünert steckt die Latte höher: «Unser Ziel ist eine Schule, die unterschiedliche Lernformen ermöglicht und auch für kommende Generationen funktioniert.»
←HEUTE: Eine Berner Gemeinde gibt CHF 435’000 aus, um eine Schule aus zehn anonymen Entwürfen zu wählen. →3012: Die Schulen, die in den 2070ern noch stehen, sind die, deren Raumrelationen am Tag der Jury stimmten. Angelpunkt: Das Programm überlebt die Fassade, also urteilt eine Jury, die nutzbare Räume bewertet, über das Jahrhundert.
Der Prozess ist ein Schweizer Prozess. Renovationsmöglichkeiten wurden seit 2019 untersucht, 2024 stimmte eine grosse Mehrheit einem Neubau zu. 2025 genehmigte die Versammlung CHF 435’000 allein für den Wettbewerb. Laut Baublatt plant die Gemeinde insgesamt etwa CHF 20 Millionen. Der Planungskredit folgt im Juni 2027, der Baukredit kommt 2028 an die Urne, Baubeginn 2029, Bezug Sommer 2031 — jeder Schritt unter Vorbehalt. Das Programm verlangt zeitgemässen Unterricht, Platz für Bibliothek und Tagesschule, gute Passung zum Umfeld und ein Reservegelände für eine künftige Dreifach-Sporthalle.
Ein Büro auf Schulaufträgen
Die Brüder Mario und Nino Soppelsa gründeten das Büro 2012, das erste gebaute Werk war ein Doppeleinfamilienhaus in Esslingen 2015. Die Monographie von Quart Publishers (Anthologie 54, herausgegeben von Heinz Wirz, Essay von Elias Baumgarten, 2024) beschreibt die Arbeiten als fokussiert auf die Beziehung von Räumen zum Raumprogramm. Das sieht man in Oberrüti: Das zweizügige Gymnasium liegt in den Hang, sodass der Eingang auf gleicher Höhe mit dem neuen Pausenhof liegt. Der Schnitt folgt dem Kinderweg, nicht umgekehrt.
Die Nachrichtenliste des Büros liest sich wie Schulbau-Handwerk im Einsatz: Grundsteinlegung OSZ Ins März 2025, Preis Ruggenacher 2 Regensdorf Mai 2025 (Gesamtkredit genehmigt Juni 2026), Schule Unterer Dammbühl Wängi eröffnet Dezember 2025, ausgewählt für best architects 27, nun Schwarzenburg. Jedes Büro, das seine Wettbewerbspläne in einer Gemeinde-Aula aufgehängt hat, weiss, was so ein Lauf kostet.
Der Trade-off ist klar. Der anonyme Wettbewerb ist die fairste Tür für ein junges Büro und zugleich am teuersten pro Stunde: zehn Teams zeichnen eine Schule, eines baut sie.
Atelier: Ein Büro, das von Schulaufträgen lebt, konkurriert auf die Lesart des Raumprogramms — und sollte sie als Methode behandeln, nicht als Instinkt. KI-Tools können lange Briefe heute in Minuten zusammenfassen. Das macht die eigene Lesart noch wichtiger, nicht weniger: Sie muss aufgeschrieben sein. Montag-Kniff: Das Raumprogramm vor den ersten Plan: ein Blatt Nachbarschaftsdiagramm, gehängt neben den Jury-Kriterien.
Hack: Ranken Sie die Schulräume nach Zentralität, bevor Sie eine Wand zeichnen. Schreiben Sie die erforderlichen Nachbarschaften als Paare — die Zentralität zeigt, um welchen Raum sich der Plan organisiert. Bibliothek und Tagesschule aus Schwarzenburgs Brief: direkt mit rein.
import networkx as nx
G = nx.Graph([("Klasse","Gruppenraum"),("Klasse","Halle"),("Bibliothek","Halle"),("Tagesschule","Aussenraum"),("Halle","Aussenraum")])
for room, c in sorted(nx.closeness_centrality(G).items(), key=lambda x: -x[1]): print(f"{room:12} {c:.2f}")PAZ Takeaway: Für ein Büro, das auf Programm gewinnt, könnte PAZ dieses Ein-Blatt-Nachbarschaftsdiagramm über die PAZ Grasshopper↔Archicad Library in Archicad-Zonen umwandeln. Die Raumrelationen, die die Jury beurteilte, wären dann vom Wettbewerb bis zur Ausführung nachprüfbar.
Nehmen Sie Ihren aktuellen Brief, zeichnen Sie die Raumrelationen auf ein Blatt bis Freitag, und bringen Sie das Blatt — nicht eine Skizze — zur ersten Teamsitzung.
PAZ Kaffi · interdisziplinäre Redaktionsarbeit, geleitet von der PAZ Academy