Cao Fei zoniert das Kunstmuseum Basel wie eine Stadt: Sieben Quartiere, keine neuen Wände
Cao Fei und Small Production verwandeln das Kunstmuseum Basel in eine siebengliedrige Stadt mit Farbe, Böden, Sitzen und Schildern. Schliesst 11. Oktober 2026.
Bis 11. Oktober – noch acht Tage – ist das Kunstmuseum Basel | Gegenwart nicht als Galerie angelegt. Cao Fei und das Beijinger Atelier Small Production haben alle vier Geschosse des Hauses als Stadt zum Durchgehen neu eingeteilt: die Strasse, der Park, die Fabriken, das Kino, der Spielplatz, das Büro und der Unterschlupf. Cao Fei. Testimonies to the Near Future eröffnete am 30. Mai 2026. Das Museum nennt sie ihre erste Einzelausstellung in der Schweiz und ihre grösste Werkschau in Europa bislang. Kuratiert von Stephanie Seidel, Philipp Selzer und Alice Wilke.
Der vertikale Aufbau liest sich wie ein Querschnitt durch eine Stadt. VernissageTV zeigt in einer Führung vom 1. Juni den Aufbau Geschoss für Geschoss: L1 zeigt die Hip-Hop-Serie und Cosplayers (2004); L2 zeigt 11.11 (2018), Asia One, Whose Utopia, Nova und La Town (2014); L3 zeigt DUOTOPIA, Oz (2022) und RMB City; L4 zeigt Isle of Instability (2020–2023) und das Künstlerinnenarchiv von 1995 bis 2005.
Das ist Cyberpunk ohne Neon. Jedes Quartier ist aus einem echten Ort gebaut, und der Plan hält es zusammen.
Der Masterplan als System
Keine neuen Wände wurden eingezogen. Die Quartiere sind aus vier Schichten gebaut:
- Programm: Werke gruppiert nach Quartier statt nach Datum oder Medium.
- Grund: Graffiti, Skate-Rampen und Strassenschilder in der Strasse, Kunstrasen im Park, gelbe Zäune und Absperrbänder in den Fabriken.
- Bestuhlung: wechselt pro Quartier, mit Tiermuster-Stühlen im Park.
- Leitsystem: übergrosse, farbcodierte Beschilderung anstelle von Wandtafeln.
Srishti Ojha beschrieb die Installation für STIRworld am 2. Juli, und ihr Beitrag trägt Seidels Erklärung der Methode: «Wir haben die Farben der Wände, die Bodenbeläge, die Bestuhlung verändert.» Seidel beschreibt auch, was das für Besucher bedeutet: «Es ist nicht wie in einer schwarzen Box oder einem weissen Würfel auf einer normalen Museum-Bank – du bist schon halb drin.»
Drei Quartiere, drei echte Orte
Fabriken. Asia One (2018) ist ein 63-Minuten-Film, der in einem JD.com-Logistik-Hub spielt. Wie M+ Hong Kong es beschreibt, folgt der Film «den einzigen zwei menschlichen Angestellten der Anlage und ihrem Roboter-Assistenten» an einem Ort, wo die Arbeit fast vollständig automatisiert ist. Diese zwei Arbeiter sind die Protagonisten, und das, was der Film untersucht, ist das Automatisierungssystem. Whose Utopia (2006) zeigt Fliessband-Arbeiter in einer Glühbirnen-Fabrik im Pearl River Delta, die ihre eigenen Träume und Talente aufführen.
Kino. Nova (2019) ist ein 94-minütiger Science-Fiction-Film, von UCCA mit 94’01” aufgelistet. Er bezieht sich auf das Hongxia Theatre in Beijings Jiuxianqiao-Bezirk. Nach den Serpentine Galleries wurde der erste chinesische Computer in diesem Bezirk erfunden. Das Theater schloss 2008, vor den Olympischen Spielen. Cao Fei zog 2015 mit ihrem Atelier dorthin um, nachdem ihr früheres Atelier abgerissen wurde, und führte ein fünfjähriges Forschungsprojekt dort durch.
Büro. RMB City ist die Inselstadt, die sie mit ihrem Avatar China Tracy in Second Life erbaut hat. Sie ist seit Januar 2009 offen, mit einer Eröffnung am 9.–10. Januar. Die Bürgermeister wechselten sich ab, beginnend mit Uli Sigg und fortsetzend mit Alan Lau, Jérôme Sans und Erica Dubach im Januar 2010. Grasshopper-Nutzer werden die Struktur erkennen: ein gemeinsames Basis-Modell, viele Autoren und Governance, die von Hand zu Hand geht.
Architektonische Lektüre
Die Ausstellung inszeniert eine Idee in voller Grösse: eine Stadt ist ein Satz von Programmen, die durch Zirkulation und Beschilderung verbunden sind. PAZ’ Grid-Based Urban Design-Panel verfolgt das gleiche Denken von La Chaux-de-Fonds bis zu Archigrams Plug-in City, wo der Rahmen permanent ist und die Teile austauschbar sind. In Basel ist der Rahmen ein weisser Würfel und die austauschbaren Teile sind Oberflächen.
Der Kompromiss ist offensichtlich. Wenn die Wände die Quartiere nicht trennen, tragen die Schilder den ganzen Plan, und Farbe allein versagt vor farbenblinden Besuchern. Ein robustes Quartier paart jeden Farbton mit einem Namen und einem anderen Bodenbelag.
Atelier: Die meisten Büros haben ein offenes Geschoss, das bereits wie eine Stadt ohne Plan wirkt: eine KI-Ecke, ein Modelltisch und ein ruhiger Schreibtisch verlaufen ineinander. Cao Feis Methode zeigt, dass man diese Programme mit Oberflächen statt mit Trockenbau trennen kann. Montags-Aktion: Kleben Sie drei benannte Zonen auf Ihrem Studio-Boden ab, geben Sie jeder einen eigenen Teppich oder Matte, Stuhltyp und Schild, und testen Sie nach fünf Arbeitstagen, ob die Leute die Zonen als Orte nutzen.
Hack: Generieren Sie eine Beschilderungs-Palette für sieben Quartiere mit gleichmässig verteilten Farbtönen, damit keine zwei Zonen farblich dicht beieinander liegen. OKLCH hält Helligkeit und Sättigung konstant, was bedeutet, dass der Farbton das Einzige ist, das sich ändert, hier in Schritten von etwa 51°. Fügen Sie die Ausgabe direkt in CSS oder eine Rhino-Schicht-Tabelle ein, und drucken Sie jeden Quartiernamen neben seinem Farbmuster.
districts = ["Strasse","Park","Fabriken","Kino","Spielplatz","Büro","Unterschlupf"]
for i, d in enumerate(districts):
hue = round(i * 360 / len(districts))
print(f"{d:<11} oklch(78% 0.16 {hue})")Cao Fei sagte The Art Newspaper am 17. Juni: «Die Szenarien in vielen meiner Werke sind später Wirklichkeit geworden.» Der gleiche Artikel merkt an, dass sie mit den Science-Fiction-Autoren Regina Kanyu Wang und Han Song arbeitet. In dieser Ausstellung ist das Szenario, das bereits Wirklichkeit geworden ist, der Plan selbst. Nehmen Sie einen Boden, den Sie verantworten, und unterteilen Sie ihn in benannte Quartiere mit Bodenbelag, Sitzgelegenheiten und Beschilderung, ohne eine Wand zu bauen.
←JETZT: Ein Basler Museum wird mit Farbe, Bodenbelag, Sitzen und Schildern in sieben Quartiere eingeteilt.
→3012: Innenräume werden durch Oberflächenänderungen neu programmiert, während die Struktur unverändert bleibt.
Angelpunkt: Die kostengünstigste Schicht eines Gebäudes erweist sich als die, die Menschen orientiert.
Quellen & Weiterführung
PAZ Kaffi · interdisziplinäre Redaktionsarbeit, geleitet von der PAZ Academy