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AUSGABE 1028 · 28 October 2026
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Creative Factory Renens: Decke aufgesägt, Stützen bewahrt, Park gepflastert
Bau
FRAME · 06:50
28-10-2026

Creative Factory Renens: Decke aufgesägt, Stützen bewahrt, Park gepflastert

Bauart und Patrimonium wandelten ein Coop-Lagerhaus in Renens in 51 Wohnungen um: Lichthof aufgesägt, Pilzstützen bewahrt, Beton als Park-Belag wiedergenutzt.

Der kohlenstoffärmste Beton der Schweiz ist der bereits gegossene Beton. Circular-Economy-Forschung führt immer wieder zum selben Punkt: Die erste Materialbank ist das bestehende Gebäude, und der wertvollste Entwurfsschritt ist oft Subtraktion. In Renens (VD), neben den SBB-Gleisen westlich von Lausanne, hat diese Idee nun einen Körper, den man begehen kann.

Creative Factory ist ein ehemaliger Coop-Logistikkomplex aus den 1950ern. Bauart Architekten und Planer bauten ihn zwischen 2022 und 2025 für Patrimonium zu 51 Wohnungen, Handwerkswerkstätten und einem Schulungszentrum für ORIF um, mit Implenia Schweiz als Generalunternehmer. Im Juni erhielt das Projekt den Jury-Preis für Residential Adaptive Reuse bei den 14. Architizer A+ Awards – gegen Einreichungen aus über 80 Ländern, wie EPFL news berichtete. Am 12. Oktober veröffentlichte espazium Marc Frochaux’ deutsche Kritik „Die Hand und der Handschuh”; das französische Original erschien im Juli.

Der Schnitt

Tiefe stellt Anforderungen. Das Hauptgebäude ist über 20 m tief. Die Geschossdecke war für Paletten gebaut, nicht für Menschen, die Morgenlicht wollen. Bauarts Antwort war eine Säge, nicht eine neue Haut. Die Decken wurden aufgesägt zu einem zentralen Lichthof, von oben durch zwei Oberlichter belichtet. Diese neue innere Strasse wird zum Rückgrat der 51 Wohnungen – von 1,5 bis 7,5 Zimmern, 40 bis 240 m².

Das Skelett blieb. Das Stahlbeton-Gerüst mit seinen Pilzstützen wurde bewahrt und inszeniert. Frochaux vergleicht ihre Kapitelle mit Pfifferlingen. Eine Struktur, die Jahrzehnte lang Kisten trug, trägt nun Küchen – und ihr elegantester Teil hat endlich sein Publikum.

←HEUTE: 2026 beherbergt ein Coop-Lagerhaus aus den 1950ern in Renens 51 Wohnungen, Werkstätten und ORIF auf seinen ursprünglichen Pilzstützen.
→3012: In Zürich-3012 trägt jede Decke ihre nächste Adresse, bevor die Säge sie berührt.
Angelpunkt: Das billigste Licht ist das Loch, das du sägt, und der billigste Belag ist das, was darin herauskommt.

Wo der Beton gelandet ist

Die aus dem Lichthof gesägten Stücke verschwanden nicht auf der Deponie. Sie kehrten zum Park zurück – als Belag, Steine und Bänke. Emmanuel Rey, Bauart-Partner und EPFL-Professor am LAST, ist ehrlich über die Kosten. Wiederverwendung vor Ort, sagt Rey, ist eine „verlockende Idee”, aber auszuführen ist schwerer als es aussieht. Das ist der Trade-off, ausgesprochen vom Architekten, der es tat. Wiederverwendung verlagert die Arbeit vom Lieferantenkatalog zur Baustelle. Dort muss jedes Stück zugeschnitten, angehoben, geprüft und verlegt werden – von Menschen, deren Namen eine Jury selten würdigt.

An der Südfassade sitzt eine leichte Stahlschicht vor dem alten Beton. Sie trägt Balkone, Sonnenblenden und Kletterpflanzen – eine zweite, weichere Haut, die der schwere Körper allein nie gehabt hätte.

Lunge und Blut

Dieser Energiesprung ist zum Beneiden: von GEAK-Klasse G zu B. Ein 100.000-Liter-Öltank kam raus, ein Anschluss ans Fernwärmenetz kam rein, eine PV-Anlage überdeckt nun die Parkplätze. Das Projekt kostete etwa CHF 50 Millionen, inklusive CHF 1,2 Millionen Subvention. Agnès Haulbert, Senior Director Real Estate bei Patrimonium, nennt es „wichtig”. Der Eigentümer plant etwa CHF 113 Millionen Sanierungsinvestitionen für 2025–2050. Das Grundstück war nie für Umnutzung eingezont. Der Eigentümer startete die Umwandlung, und das Erhalten der Struktur erhielt das Volumen, das Abriss hätte reduzieren müssen.

Rückblick aus den 2070ern: Die Gebäude, die gealtert haben, waren die an gemeinsame, lokale Systeme angebunden – an ein lokales Netz, das ein Kantons-Techniker noch verstehen konnte, nicht an private Tanks oder private Clouds.

Gebäude-Gespür: Ein Gebäude, das dies durchlebte, würde den Schnitt erst als Druckwechsel spüren – Luft und Licht erreichen plötzlich einen Kern, der jahrzehntelang dunkel war. Dann Erleichterung: kein Tank im Keller, Wärme von den Nachbarn durch ein Gemeinde-Netz.

Atelier: Ein Büro mit einer Tiefenumwandlung im Projekt ist versucht, nur das Neue zu modellieren und das Bestehende grau im Hintergrund zu lassen. Renens zeigt das Gegenteil: die bestehende Struktur ist der erste Klient. Nächster Schritt: Ergänzen Sie Ihre Abbruch-Zeitplan um eine Spalte „Bestimmungsort/Wiederverwendung”, und geben Sie die Planung nicht frei, wenn die Spalte leer ist.

Hack: Markiere den Beton, den du aussägen wirst, mit seinem nächsten Bestimmungsort in deinem Rhino-Modell, bevor er aus der Zeichnung verschwindet. Wähle die Plattenelemente aus, die du entfernen willst, miss jedes aus, und schreib das Bestimmungsziel in seinen User-Text, damit es später in die Planung fliesst:

import rhinoscriptsyntax as rs
for obj in rs.GetObjects("Wähle die zu sägende Platte aus", 8):
    area = rs.SurfaceArea(obj)[0]
    rs.SetUserText(obj, "area_m2", str(round(area, 2)))
    rs.SetUserText(obj, "reuse_to", "Parkbelag")

Führe es im Python-Editor von Rhino aus, dann lies die Keys in Grasshopper zurück und summiere die wiederverwendbare Fläche pro Bestimmungsort. Ein Projekt eines PAZ-BSS-Studierenden, RE-MIXER, führte diese Idee weiter – es katalogisiert Beton-Elemente nach Material, Grösse und Tragfähigkeit, ähnlich wie Lego-Bauanleitungen.

André Corboz, den Urbanhistoriker Frochaux zitiert, sagte, dass alten Strukturen neues Leben geben bedeutet, die Hand zu finden, die zum Handschuh passt. In Renens war der Handschuh ein Coop-Lagerhaus, und Bauart und Patrimonium fanden die Hand. Keine Death Star, keine Tabula Rasa hier. Es war der Weg der Rebellen: wiederaufbauen mit dem, was die alte Republik noch stehen liess. Bevor du eine neue Linie auf einem bestehenden Gebäude zeichnest, gehe seine Säulen ab und entscheide, welche davon ein Publikum verdienen.

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